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Sowjet Soldaten geborgen

In einer groß angelegten Bergungsaktion fand am 2. und 3. Juli 2009 die Exhumierung von 7 Gräbern gefallener Sowjetsoldaten statt, die in den Kämpfen der letzten Kriegstage am Hochwechsel ums Leben kamen.

Die Grablagen wurden in den letzten Monaten von Mitgliedern des Vereines zur Klärung von Schicksalen Vermisster und Gefallener (VKSVG e.V.) mittels Metallsuchgeräten lokalisiert. Unzählige unentgeltliche Arbeitsstunden waren notwendig, Zeitzeugen mussten befragt und deren Angaben überprüft werden, alte Landkarten wurden mit den heutigen verglichen bis die Recherchen endlich den Erfolg brachten. In enger Zusammenarbeit mit Herrn Peter Sixl vom Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung wurde die Bergung der bis dahin vermissten Rotarmisten geplant.

Unter Anwesenheit des ORF, des russischen Fernsehens, Vertretern der russischen Botschaft in Österreich, eines Vertreters der Bezirkshauptmannschaft, sowie Polizei und Entminungsdienst und eines Arztes (Dr. Waldmann) wurde mit größter Sorgfalt mit der Ausbettung der Soldaten begonnen. In der ersten Grablage wurden zwei gefallene Soldaten vermutet, doch es stellte sich rasch heraus, dass hier auch noch ein dritter Rotarmist den Tod fand. Sie lagen da, wie sie vor mehr als 64 Jahren gefallen waren unter einer nicht einmal 30 cm tiefen Erdschicht. Äußerst vorsichtig wurden die sterblichen Überreste entnommen und in einer eigens dafür angefertigten Holzkiste verwahrt. Immer wieder mussten die Arbeiten unterbrochen werden, da die Mitarbeiter auf Nahkampfmittel wie Handgranaten stießen, welche die Gefallenen noch bei sich hatten und vom Entminungsdienst entfernt wurden. Diese Kampfmittel sind in ihrer Gefährlichkeit nicht zu unterschätzen, da die Zündvorrichtung oft durch starken Federdruck vorgespannt sind. Durch die lange Lagerung sind die Sicherungselemente äußerst labil und erfüllen ihre Aufgabe nicht mehr. Einzelne Zünder sind meist ebenso gefährlich wie komplette Kampfmittel, da sie oft mit starken Detonatoren versehen sind. Die aufgefundenen persönlichen Gegenstände wie Essgeschirr, Trinkflasche, Besteck, Taschenmesser, Schuhe oder Knöpfe, die zur Identifizierung des Gefallenen beitragen könnten, wurden zur Reinigung und weiteren Untersuchung an Herrn Sixl übergeben.

 

Einige Meter weiter befand sich eine weitere Grablage, vermutlich eines Offiziers, worauf ein aufgefundener Knopf auf einer Schulterklappe schließen lässt. Während der sorgfältigen Enterdung stellte sich heraus, dass dieser Gefallene gemeinsam mit seinem Pferd beerdigt wurde. Auch hier wurde wie an den restlichen Fundstellen das Erdreich mittels Metallsuchgeräten sorgfältig abgesucht, um sicher zu sein, dass man absolut nichts an persönlichen Gegenständen übersehen hatte, dass unter Umständen dazu führen könnte, dem unbekannten Soldaten seine Identität zurück zu geben. Leider erschwerten starke Regenfälle die Bergungen, die daher ständig unterbrochen werden mussten. Trotz der widrigen Umstände konnten bis zum Abend des nächsten Tages die sterblichen Überreste von insgesamt 9 Rotarmisten geborgen werden, die bis dahin als vermisst galten. Sie wurden an Herrn Schweighofer vom gleichnamigen Bestattungsinstitut übergeben und werden auf dem Friedhof Safenau bei Hartberg eine letzte, dem Menschen würdige Ruhestätte erhalten.

 

In den letzten Wochen des 2. Weltkrieges fanden tausende Soldaten den Tod. Sie blieben dort liegen, wo sie gefallen sind, viele erhielten nicht einmal ein Notgrab. Sie alle haben Angehörige, die nicht wissen, wo der Vater, Sohn, Bruder verstorben ist. Die Mitglieder des VKSVG haben es sich zum Ziel gemacht, aktiv an der Klärung von Schicksalen vermisster und gefallener Personen aus dem 2. Weltkrieg mitzuarbeiten. Sie stellten unentgeltlich ihre Freizeit für die umfangreichen Recherchen im Vorfeld sowie ihre Arbeitskraft für die Exhumierung zur Verfügung. Vielleicht gelingt den Historikern des Boltzmann Institutes für Kriegsfolgenforschung nach Auswertung der von russischen Archiven zur Verfügung gestellten Unterlagen wie z. B. originale Grablagenskizzen die Identifizierung der Gefallenen sowie die Ausforschung von Verwandten, denen man letztendlich die Gewissheit über den Verbleib ihres Angehörigen geben könnte.

 

Abschließend führte der Beamte des Entminungsdienstes die Gefahren dieses Einsatzes vor Augen indem er einen Teil der gefundenen Handgranaten sprengte. Obwohl sich jeder an den vorgegeben Abstand hielt war die zu verspürende Druckwelle enorm. Der ohrenbetäubende Knall und die unmittelbar darauf folgende Totenstille ließen nur erahnen wie die letzten Kriegswochen in dieser heute so idyllischen Umgebung wohl ausgesehen haben.

Radiobericht ORF Radio Steiermark

  • ORF Radio Steiermark/Brigitte Reisinger
    Bergung in Mönichwald

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