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Der Einzahlschein

Er wollte seinem Bruder etwas Gutes tun. Wahrscheinlich zu Weihnachten. Aber das war nicht so einfach. Denn er war Soldat. Noch dazu an einem der Brennpunkte des 2.Weltkrieges. Bei Stalingrad. Zwar nicht im Kessel, doch was spielt das für eine Rolle, im Krieg wird überall gestorben. Nein, an der Abwehrfront am Tschir. Von Oberst Adam, dem Adjutanten von Generalfeldmarschall Paulus notdürftig aufgestellt, hatten zurück kehrende Urlauber, rückwärtige Einheiten, Ersatzabteilungen die Aufgabe übernommen, westlich von Stalingrad und des Dons die Front zu stabilisieren und vor allem die für das Überleben der Kameraden im Kessel so notwendigen Startflugplätze für die Luftversorgung und die Bereitstellungsräume für den Entsatzangriff zu sichern. So auch dieser Soldat.Aber das hinderte ihn nicht, dort auf irgendeiner Poststelle 130,00 RM an seinen Bruder einzuzahlen. Der Einzahlbeleg wandert in die Brusttasche. Nahe dem Ort Tschernyschkowski war er eingesetzt. Bei einem kleinen Kolchos in Verkhne Aksenovskiy. Tagtäglich versuchten die Russen die Tschir-Front von Norden zu durchbrechen. Eines Tages muss dies auch bei Verkhne Aksenovskiy geschehen sein. Mit einem Rudel von rund 20 Panzern fallen sie in das kleine Dorf und den Kolchos ein. Ein Blutbad unter den deutschen Soldaten war das Ergebnis dieses ungleichen Kampfes. Nachdem die russischen Panzer weg waren, gingen die Überlebenden daran, ihre gefallenen Kameraden zu bestatten. All das passierte irgendwann Anfang Dezember 1942. Fast genau 60 Jahre später im gleichen Dorf.Vor einiger Zeit wurde eine Wasserleitung verlegt. Die Einheimischen stoßen auf menschliche Überreste, dass es „Nemetzkis“ sind, erkennen die Älteren schnell an den Überresten der Ausrüstung. Und sie melden es dem Volksbund, der immer wieder in den russischen Zeitungen entsprechende Aufrufe platziert. September 2003, wir sind angekommen. Und wollen den Volksbund eine Woche lang bei Umbettungsarbeiten unterstützen. Die Fahrt nach Verkhne Aksenovskiy führt ins „Nichts“. Steppe, soweit das Auge reicht. Und nur an den Strommasten erkennt man, dass da irgendwann eine menschliche Ansiedlung kommen muss. Das Gräberfeld, heute ist es ein Bereich, der zu 50% mit Ställen und Wirtschaftsgebäuden überbaut ist Wir fangen an zu graben, der lehmige Boden lässt uns gehörig schwitzen und der Gestank der Ställe nimmt uns den Atem. Teilweise gräbt man regelrecht in der Sch… Doch werden wir relativ schnell „fündig“. Grab anGrab. Mal flach, mal tief. Sicherlich wurden vorhandene Einschlagtrichter gleich mitbenutzt.

An den Uniformresten erkennt man, wie zusammengewürfelt diese Truppe hier war. Da Panzersoldaten, hier Angehörige der Luftwaffe, dann wieder Infanterie. Alles ist vertreten. Stunde um Stunde vergeht und am Ende des Tages sind 26 Umbettungssäcke gefüllt. Doch leider haben nicht alle Geborgenen Erkennungsmarken. Sie müssen nun, da es keine Unterlagen über diesen Friedhof gibt, als Namenlose auf dem Soldatenfriedhof Rossoschka bei Stalingrad, vorbildlich angelegt und gepflegt vom Volksbund, eingebettet werden. Doch dann kommen in den Überresten der Uniform eines Gefallenen Papierfetzen zum Vorschein. Ein Einzahlschein, das ist alles was man erkennen kann, denn die Bleistift-Schrift ist verblasst.

Damit kann man doch was anfangen, vielleicht noch den Namen des Gefallenen ermitteln! Doch Hans, unser Leiter, ein hauptamtliches Mitglied des Volksbundes, der fast das ganze Jahr hier arbeitet, winkt ab. Zuviel Mühe für einen einzelnen, dazu reicht das Geld nicht, dass der Volksbund von unserer Regierung oder durch Spenden bekommt. Leider ist das so. Trotzdem werden diese Papier-Überreste sorgsam von uns eingetütet und Antonius, unser Schweizer, nimmt sie an sich. Er hat „Beziehungen“, kennt Leute in einem Kriminaltechnischen Labor in der Schweiz. http:// www.prolabor.ch/ Zuhause angekommen, gelingt dem Labor das kaum geglaubte. Durch spezielles Licht wird die Schrift wieder besser sichtbar. Es ist Sütterlin, doch fast alle Wörter sind durch fehlende Papierstücke verstümmelt. Doch durch Kombinieren, Rätselraten wird der Name herausgefunden. Auch der Empfansgsort wird entschlüsselt.

So kommen wir dem damaligen Wohnort des Empfängers immer näher. Die Adressauskunft schafft dann letzte Klarheit. Es ist ein gängiger Name in dieser Gegend. Ein paar Telefonate werden geführt. Und es gelingt! Nach fast 62 Jahren! Wir haben seine Angehörigen gefunden und somit auch ihn. Ein unbekannter Soldat, der bald auf einer der Granitplatten auf dem Soldatenfriedhof in Rossoschka seinen Namen wieder erhalten wird. Nun haben die Angehörigen endlich nach so vielen Jahrzehnten die Gewissheit über das Schicksal ihres Vermissten.