Vermisste Angehörige suchen

Wo und wie Sie nach vermissten und gefallenen Soldaten des Zweiten Weltkriegs suchen

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Schreibtisch mit Feldpostbriefen, alten Fotos, einer Europakarte, Lupe und einem Laptop mit geöffneter Suchmaske
Anleitung zur Schicksalsklärung

Wo fängt man an?

Über 80 Jahre nach Kriegsende gelten noch immer mehr als eine Million deutsche Soldaten als vermisst – dazu kommen unzählige Zivilisten. In vielen Familien wird diese offene Frage von einer Generation an die nächste weitergegeben. Manchmal ist es nur ein einziges Foto im Schrank, manchmal ein ganzer Karton voller Briefe.

Die gute Nachricht: Heute stehen die Chancen besser als je zuvor. Viele Archive sind inzwischen digital erschlossen, und mehrere Suchdienste arbeiten seit Jahrzehnten an genau diesen Fragen.

Bleibt die Frage, wo man anfängt. Welche Stelle in Deutschland oder Österreich weiß was? Und was müssen Sie selbst mitbringen? Genau dabei soll Ihnen diese Seite helfen – Schritt für Schritt.

Stand der Angaben:

Ältere Frau sichtet am Küchentisch eine Kiste mit Feldpostbriefen, Fotos, Wehrpass und Ahnenpass
Schritt 1

Das Familienarchiv: Was wissen Sie schon?

Bevor Sie Ämter und Archive anschreiben, lohnt sich ein gründlicher Blick in die eigenen Unterlagen. Fragen Sie auch Geschwister, Cousinen oder ältere Nachbarn – oft liegt das entscheidende Papier bei einem ganz anderen Zweig der Familie.

Und unterschätzen Sie die Kleinigkeiten nicht. Eine Nummer auf einem Briefumschlag hat schon so manche Suche ins Rollen gebracht.

Diese Papiere sind Gold wert

  • Wehrpass und Soldbuch
  • Feldpostbriefe und -karten
  • Ahnenpass
  • Benachrichtigungen der Wehrmacht, etwa über Tod oder Vermisstsein
  • Entlassungspapiere und Lazarettberichte

Diese Angaben brauchen die Archive

  • Vollständiger Name, Geburtsdatum und Geburtsort – das genaue Geburtsdatum ist für fast jede Anfrage Pflicht
  • Letzter bekannter Aufenthaltsort, Todes- oder Vermisstenort, soweit bekannt
  • Dienstgrad, Einheit (Truppenteil) oder die fünfstellige Feldpostnummer von den Briefen – was sich dahinter verbirgt, zeigt unsere FPN-Suche
  • Die Beschriftung der Erkennungsmarke, falls bekannt
  • Datum der letzten Nachricht oder des letzten Briefes
Ein älterer Mann und eine Archivarin prüfen in einem Archiv gemeinsam alte Akten und eine Landkarte
Schritt 2

Die großen Suchdienste und Archive in Deutschland

Auch wer aus Österreich oder einem anderen damaligen Reichsgebiet stammte: Die zentralen Karteien der Wehrmacht liegen größtenteils in Deutschland.

Unser Rat – stellen Sie Ihre Anfragen bei mehreren Stellen gleichzeitig. Jedes Archiv hat andere Bestände, und was dem einen fehlt, findet sich nicht selten beim anderen.

Bundesarchiv, Abteilung PA (früher „WASt“)

Die wichtigste Adresse, wenn Sie den militärischen Werdegang eines Soldaten erfahren wollen. Die Abteilung „Personenbezogene Auskünfte zum Ersten und Zweiten Weltkrieg“ sitzt in Berlin-Reinickendorf und hat 2019 die Aufgaben der früheren Deutschen Dienststelle übernommen.

Dort liegen Personalunterlagen, Erkennungsmarkenverzeichnisse, Verlustmeldungen, Lazarettbücher und Karteien zur Kriegsgefangenschaft. Gefangenschaft, Verwundung oder Tod lassen sich damit oft erstaunlich genau nachzeichnen.

Gut zu wissen: Die Bearbeitung dauert meist einige Monate, und je nach Aufwand fällt eine Gebühr an. Die Antwort kommt per Post.

www.bundesarchiv.de – dort den Antrag auf Personenrecherche nutzen

DRK-Suchdienst

Seit 1945 sucht der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes nach Vermissten, heute von München und Hamburg aus. Er verwaltet die weltgrößte Kartei über Vermisste und Heimkehrer, die DRK-Vermisstenbildlisten und Millionen Akten aus ehemals sowjetischen Archiven zur Kriegsgefangenschaft.

Das DRK prüft, ob Ihr Angehöriger in einer Vermisstenbildliste steht, erstellt Gutachten zum wahrscheinlichen Schicksal und sucht nach Gefangenschaftsakten in Osteuropa. Für Familienangehörige ist das kostenlos.

www.drk-suchdienst.de

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge

Sie wissen oder vermuten, dass Ihr Angehöriger gefallen ist, kennen aber das Grab nicht? Dann ist der Volksbund die richtige Adresse.

Seine „Gräbersuche online“ verzeichnet über fünf Millionen Kriegstote und Vermisste. Sie können dort sofort und kostenlos nachsehen, ob die gesuchte Person auf einem Soldatenfriedhof liegt oder dorthin umgebettet wurde.

www.volksbund.de – Gräbersuche online

Arolsen Archives

Geht es um zivile Opfer, um Verfolgte des NS-Regimes, Zwangsarbeiter oder KZ-Häftlinge, führt kaum ein Weg an den Arolsen Archives in Bad Arolsen vorbei – dem früheren Internationalen Suchdienst (ITS).

Das Archiv umfasst über 30 Millionen Dokumente, auch zu Displaced Persons und zu Menschen, die nach 1945 verschleppt wurden. Ein großer Teil ist inzwischen online durchsuchbar.

arolsen-archives.org

Schritt 3

Ansprechpartner in Österreich

Stammte der Gesuchte aus Österreich – damals die Wehrkreise XVII und XVIII – oder liegt das Grab auf österreichischem Boden? Dann helfen diese Stellen weiter.

Österreichisches Staatsarchiv, Archiv der Republik

Die zentralen Truppenmeldungen liegen zwar oft in Berlin. Was von den regionalen Wehrersatzdienststellen auf österreichischem Gebiet erhalten blieb, verwahrt aber das Staatsarchiv in Wien.

Achtung bei der Zuständigkeit: Die Bestände von 1938 bis 1945 liegen im Archiv der Republik (Abteilung Militärische Evidenzen), nicht im Kriegsarchiv – das betreut vor allem die Zeit bis 1918. Wehrstammbücher aus Tirol liegen im Tiroler Landesarchiv in Innsbruck, die aus Vorarlberg im Vorarlberger Landesarchiv in Bregenz.

Zu finden sind dort Wehrstammbücher, Wehrstammrollen, Gebührniskarten, Personalakten und Lazarettunterlagen. Längst nicht alles hat den Krieg überstanden – aber nachfragen lohnt sich.

www.oesta.gv.at

Österreichisches Schwarzes Kreuz (ÖSK)

Das Gegenstück zum deutschen Volksbund. Das ÖSK kümmert sich um Kriegsgräber im In- und Ausland, forscht nach den Gräbern Gefallener beider Weltkriege und wirkt bei Exhumierungen, Identifizierungen und Zusammenlegungen von Kriegsgräbern mit.

Für eine Grabnachforschung über das Online-Formular müssen Sie kein Mitglied sein.

www.osk.at – Rubrik „Grabnachforschung“

Suchdienst des Österreichischen Roten Kreuzes

Wer in Österreich wohnt, wendet sich am besten hierhin. Der ÖRK-Suchdienst hilft bei der Schicksalsklärung und bei der Suche nach Grablagen von Vermissten des Zweiten Weltkriegs.

Er kann auf das weltweite Netz des Roten Kreuzes zurückgreifen und besorgt auch Bestätigungen über Kriegsgefangenschaft oder Internierung.

www.roteskreuz.at – Personensuche

Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung

Das Institut mit Sitz in Graz und Standorten in Wien und Raabs gehört zu den führenden Forschungseinrichtungen zur Kriegsgefangenschaft im Zweiten Weltkrieg.

Es besitzt umfangreiche Datenbanken und Kopien aus russischen Archiven – vor allem zu österreichischen Kriegsgefangenen, Vermissten und Zivilinternierten in der früheren Sowjetunion. Über ein eigenes Formular hilft es Angehörigen direkt bei der Suche.

bik.lbg.ac.at – Personensuche

Schritt 4

Selbst weitersuchen – mit dem VKSVG

Manchmal kommen auch die Behörden nicht weiter. Etwa dann, wenn Akten im Krieg verbrannt sind. Genau hier setzen unsere Datenbanken und Archivprojekte an.

VKSVG-Vermisstensuche

Wir haben über 200.000 Einträge aus den DRK-Vermisstenbildlisten digitalisiert, und es werden laufend mehr. Sie können darin online nach Namen, dem Wohnort von 1939 („Beheimatet 1939“), Einheit oder Feldpostnummer suchen – kostenlos.

Zur Vermisstensuche →

Unser Forum als Archiv

Neue Anfragen nimmt unser früheres Vereinsforum nicht mehr an. Lesen können Sie dort aber weiterhin – und es lohnt sich: Über viele Jahre wurden dort Tausende Feldpostnummern, Truppenbewegungen, Marschwege und Einzelschicksale entschlüsselt. Am schnellsten finden Sie etwas über die Suchfunktion.

Zum Forums-Archiv (vksvg.de)

Weitere Datenbanken

Wertvolle Hintergründe liefern auch CompGen, der Verein für Computergenealogie – unter anderem mit Verlustlisten und Grabstein-Projekten – und das Lexikon der Wehrmacht, mit dem sich der Weg einer Einheit durch den Krieg nachvollziehen lässt.

Fragen? Schreiben Sie uns.

Die Suche nach einem Vermissten gleicht oft einem Puzzle. Haben Sie Dokumente, Feldpostbriefe oder Hinweise auf unmarkierte Gräber? Melden Sie sich gern über unser Kontaktformular – gemeinsam klären wir Schicksale.