Am 8. März 2016 konnte im Südburgenland die Exhumierung mehrerer sowjetischer Kriegstoter durchgeführt werden. Die Gefallenen waren im Frühjahr 1945 beigesetzt worden. Im Laufe der Jahrzehnte gerieten die Grablagen jedoch weitgehend in Vergessenheit.
Den entscheidenden Hinweis lieferte eine damals 92-jährige Zeitzeugin. Sie erinnerte sich daran, wie die Gefallenen nach Kriegsende mit einem Pferdefuhrwerk zu einem Obstgarten transportiert wurden, in dem die Beisetzungen stattfanden. Obwohl ihr dies als zwölfjähriges Mädchen untersagt worden war, folgte sie dem Trauerzug heimlich und wurde Zeugin der Bestattung von zwei Soldaten in einem Einzelgrab. Die übrigen Gefallenen waren zu diesem Zeitpunkt bereits beigesetzt.
Auf Grundlage ihrer Schilderungen wurde zunächst vermutet, dass sich an dieser Stelle ein Massengrab sowie zwei Einzelgräber befinden könnten. Es folgten intensive Recherchen in russischen Archiven durch Herrn Ing. Peter Sixl. Im Zuge dieser Nachforschungen konnten die Namen von rund 30 gefallenen Soldaten ermittelt sowie die erforderlichen Genehmigungen für die Exhumierungsarbeiten eingeholt werden.
Mit Beginn der Grabungsarbeiten wurde das Erdreich schrittweise abgetragen und archäologisch untersucht. Dabei zeigte sich rasch, dass die ursprüngliche Annahme eines Massengrabs nicht zutraf. Stattdessen waren die Gefallenen ordnungsgemäß in Einzel- und Doppelgräbern beigesetzt worden.
Die Untersuchungen ergaben zudem, dass keiner der geborgenen Soldaten älter als 25 Jahre gewesen war. Durch die Exhumierung und die anschließenden Auswertungen konnten weitere Schicksale geklärt und wichtige Erkenntnisse zur Dokumentation der Kampfhandlungen des Jahres 1945 gewonnen werden.
Die Bergung stellt einen weiteren Beitrag zur Aufarbeitung der Kriegsgeschichte und zur würdigen Erinnerung an die Gefallenen dar. Sie zeigt zugleich, welche bedeutende Rolle Zeitzeugenberichte und historische Archivarbeit auch Jahrzehnte nach Kriegsende noch für die Klärung ungeklärter Kriegsschicksale spielen können.
VKSVG e.V.