Grabskizzen der Roten Armee von 1945 – ein Beispiel aus Österreich

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Ein Friedhof, drei Gräber, fünfzehn Soldaten. So ordentlich sieht es auf dem Blatt aus, das wir hier zeigen. Genau deshalb ist es ein besonderes Stück.

Es ist eine Grabskizze der Roten Armee aus dem Frühjahr 1945. Beim Vormarsch durch Österreich bestatteten die Einheiten ihre Gefallenen in Feldgräbern, und die Bestattungskommandos hielten fest, wo das geschah. Sie zeichneten die Lage auf und ergänzten Einheit, Datum und Zahl der Toten. Die Blätter gingen zur Erfassung der Verluste weiter. Unterschrieben hat hier ein Hauptmann, dazu der Leutnant, der das Bestattungskommando leitete.

Zu diesem Blatt, der „Schema Nr. 62“: Es betrifft Angehörige des 932. Schützenregiments (Orden des Alexander Newski), beigesetzt am 26. April 1945 auf dem Zivilfriedhof eines Dorfes. Die Gräber liegen in drei Reihen, von Westen gezählt. Im ersten sind sieben Mann bestattet, im zweiten fünf, im dritten drei. Dazu kommen der Ortskern mit Kirche, die Nachbarorte, ein Nordpfeil und ein Koordinatennetz. Als Grundlage diente das Kartenblatt „M-33-129 Stockerau“, Maßstab 1:100 000, Stand 1937.

Nur: So sieht der Normalfall nicht aus.

Wenn wir Gefallene der Roten Armee finden, dann meist in Wäldern und auf Wiesen. Ein Friedhof ist die Ausnahme. Auffallend oft liegen die Gräber an markanten Stellen, zum Beispiel direkt neben einer Kirche. Naheliegend ist, dass sich solche Punkte leicht beschreiben und später wiederfinden ließen.

Warum so viele Männer bis heute dort liegen, ist nicht abschließend geklärt. Zwei Erklärungen liegen nahe. Die erste: Die Einheiten zogen weiter. Gekämpft wurde bis in die ersten Maitage, und wer vorrückt, kommt nicht zurück, um umzubetten. Die zweite: Nach Kriegsende wurde Österreich in vier Besatzungszonen geteilt. Lag ein Grab in einem Gebiet unter amerikanischer oder britischer Verwaltung, hatten sowjetische Stellen vermutlich keine Möglichkeit mehr, ihre Toten zu erfassen und heimzuholen. Wahrscheinlich kam beides zusammen – für jeden Einzelfall belegen lässt sich das nicht.

Für die Vermisstenforschung sind solche Skizzen trotzdem Gold wert. Sie sagen uns, wo wir suchen können und wie viele Männer wir erwarten dürfen. Heißt konkret: Eine Skizze ist ein Hinweis, kein Beweis. Ortsbilder, Wege und Waldränder haben sich seit 1945 verändert, und was auf dem Papier eindeutig aussieht, muss vor Ort erst geprüft werden.

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